Segelflugwoche in Sisteron

Segelflugwoche in Sisteron

Werner und Rolf überzeugten Martin und mich mit interessanten Schilderungen vom Fluggebiet rund um Sisteron (F). Das kleine Städtchen Sisteron liegt im Süden Frankreichs in der Region der Haute Provence, nahe an der Grenze zu Italien. Entlang dieser Grenze spannt sich der Westalpenbogen. Er beginnt am Mittelmeer in der Gegend von Nizza/Alassio und schliesst in Aosta an den Alpenhauptkamm an. Die französischen Westalpen bieten interessante Segelflugbedingungen. Vor allem die Westflanken werden nachmittags stark aufgeheizt und bieten Thermik bis in die Abendstunden. Vielenorts stossen in der Ebene grossflächige Felsformationen an die Oberflächen. Sie wirken als regelrechte Heizplatten. Très bien!


Die Anreise

Am Samstag 22.8. setzte sich die SGS Karawane mit einer regelrechten DG Flotte (500 M, 800, 400, 300) in Gang und erreichte am Nachmittag via Genf - Grenoble das Aérodrome Sisteron.
Nicht nur das Kartenstudium der Segelflugkarte „France Sud“ vorab, sondern auch die Fahrt durch das Vorgebirge liess ein paradiesisches Segelflugrevier erkennen. Hohe Berge, blanke Felsoberflächen, alle 30 bis 40 km ein Flugfeld und auch der fühlbare Charme von Land, Leuten und Küche liess die hohen Erwartungen noch höher steigen. Extraordinaire!
 

Ankunft auf dem Platz

Der Flugplatz Sisteron liegt auf einer kleinen Anhöhe im Tal des Flusses Durance. Auf dem Flugfeld herrschen grosszügige Platzverhältnisse. Vor jeder Hängerreihe stehen mindestens 60m Platz für den Zusammenbau und die Bereitstellung unserer Flugzeuge zu Verfügung. Eine 1'000 m lange Graspiste und ein fast so langer Asphaltstrip ermöglichen unproblematische Anflüge und genügend Platz zum ausrollen auf und neben der Piste. Pas mal!

Die hohe Lufttemperatur und erste Perlen auf der Stirn zwangen uns und die Flugplatz-Sekretärin schon beim Anmeldeprozedere sehr rasch zu oekonomischen Bewegungen. Schliesslich war alles Formelle erledigt, die Hänger platziert und ein schattiges Plätzchen im Flugplatzrestaurant „Le Zinc“ für das Nachtessen ergattert. Man war angekommen –sprichwörtlich-, ass, scherzte und bezog schliesslich die Zimmer in den nahe gelegenen Unterkünften Fombeton und Capoulot.

Das Fombeton –ein renoviertes Bauerngehöft- besticht durch seine ruhige Lage unter riesigen alten Bäumen und einer wunderbaren Küche mit einem engagierten Betreiberpaar. Das von Michelle und ihrem Mann herzlich und familiär geführte Capoulot bot einen farbigen Garten, in dem wir täglich mit einem reichhaltigen und feinen Fliegerfrühstück unseren Tag begannen – und dazu noch Sprachunterricht erhielten. Oui et c’etait complètement gratuit!

 

Der Flugbetrieb am Platz

Täglich um 10 Uhr fand das obligatorische Briefing mit dem Cheffluglehrer, einem Dolmetscher und ca. 30 Piloten statt. NOTAM, Wetter, Wind und Thermik wurden besprochen, die Startpistenrichtung festgelegt. Wir bauten unsere DG‘s jeweils um 9 Uhr auf, um die relative morgendliche Kühle von 14 bis 16 Grad zu nutzen. Schon um Mittag herrschten Temperaturen um die 26 Grad. Nach dem Briefing wurden weitere Vorbereitungsarbeiten oder auch mal ein Nickerchen gemacht. So gegen Mittag begann man, die Flugzeuge vor den Schleppmaschinen in zwei Linien in der Regel auf trente-cinq piste dure aufzureihen. Die Eigenstarter erhielten separate Startplätze zugewiesen. Die sehr erfahrenen Lokal-Piloten stiegen bereits ab 11 Uhr in die Luft, wir etwas später.
Als einziger SGS’ler ohne Eigenstarter geniesse ich auch die Schleppflüge - und je nach Schleppmaschine in kräftigen Abwinden manchmal auch als „une petite belle aventure“. Gelobt sei unsere Maule MX-7-235 mit 235 PS in alle Ewigkeit und einmal zurück!

 

Das Relief und das Wetter

Was soll ich sagen: Das Relief ist im Anblick und zum Fliegen schlicht fantastisch. Die Orientierung fällt einem mit dem vorgängigen Kartenstudium und einigen markanten Bergen und Seen im Umkreis von 70 km recht leicht. Im Unterschied zu unseren Alpen sind die Hänge oft nur schwach bewaldet, dafür umso mehr von Felsen und ausgetrockneten Grashängen gezeichnet. Rund um Sisteron findet sich ein leicht coupiertes Gelände, das gegen Osten von 600 AMSL rasch bis auf 3'000 AMSL ansteigt. Im gesamten Fluggebiet im Radius von 150 km rund um Sisteron finden sich - neben vielen Aérodromes - etliche Aussenlandeplätze. Sie sind in einem Aussenlandebuch zusammen gefasst.

Während der gesamten Woche begleitete uns weitgehend gutes Wetter. Von den 8 Aufenthaltstagen waren deren sieben fliegbar. Allerdings war kaum je Bombenwetter – also keine 3/8 Bedeckung mit Cumuli und einer grossflächigen Basis von 4'800 AMSL. Es reichte dennoch für zahlreiche fantastische Flüge (vgl. Bilder).

Rolf & Barbara, Werner, Martin und ich haben insgesamt weitere 19 Flüge in unseren Flugbüchern stehen. So flog Martin etwa nach Grenoble und zurück, Werner trieb es bis zum Valle Maira (I) nahe dem Monte Viso. Rolf und Barbara blieben einige besondere Momente beschieden: So etwa Flüge bis nördlich zum Modane Tal oder am letzten Flugtag noch komplexe Wellenflüge. Mir waren nicht weite oder lange Flüge wichtig, sondern als Jungpilot meine Weiterentwicklung von Taktik (u.a. arbeiten mit Alternates), Verbesserung der Entscheidungsqualität, Beurteilung von völlig fremden Gelände/Formationen (wo zieht’s) in autonomen Flügen, etwa wie in diesem Flug hier:

https://www.onlinecontest.org/olc-2.0/gliding/flightinfo.html?flightId=187202805

Meine Trainingsziele habe ich mehr als erreicht und durfte die Saison 17 mit einer fantastischen Woche abschliessen.

 

Resümee
Rolf und Werner hatten nicht zu viel versprochen. Sisteron war es nicht nur fliegerisch mehr als wert. Die tolle Kameradschaft und das lockere Umfeld haben viel zu dem prägenden Aufenthalt beigetragen. Gerne und jederzeit wieder, vielleicht auch mal im Frühling … und nicht zuletzt der kulinarischen Genüsse und dem savoir vivre wegen. Aber das wäre eine andere Geschichte. Alors, à bientôt Sisteron!

Nützliche Links

https://www.volavoile-sisteron.com/     Aerodrome Sisteron
http://www.francetopo.fr/                      Online Geomap, Kartenstudium Geographie     
http://www.fombeton.de/                      Unterkunft, Essen
http://www.hotel-le-caboulot.com/       Unterkunft, keine Spelunke, wie der Name sagt
https://www.crit-air.fr/                             Info zu Umweltplakette bei Anfahrt via Grenoble
Vue d’en Haut, Sigoyer                           Essen, fantastische Fernsicht/Sonnenuntergänge