Vom Küken zum Adler...

Dies schrieb mir einer unserer Fluglehrer zur bestandenen Prüfung. Adler ist sicherlich hoch gegriffen aber Flügge bin ich definitiv geworden.

Vorbereitung
Der Tag meiner Prüfung rückte immer näher. Am Sonntag davor machte ich mit Werner Rissi, einer unserer Fluglehrer noch 6 Starts an der Winde und als Abschluss stand noch ein Flugzeugschlepp an, bei dem ich nochmals das Prüfungsprogramm durchgehen wollte.
So viel zum Plan.
Der Beginn des Schlepp’s lief normal und irgendwann steuerte Werner den Segler in sicherer Höhe in eine ungewöhnliche Schlepplage hinter der Schleppmaschine und ich brachte ihn wieder auf Kurs. Noch ein zweites mal und kurz nach der Übergabe der Kontrolle zu mir hatten wir einen etwas speziellen Seilriss weit über der Sicherheitshöhe. Das Seil hat sich dabei beim Querruder über den Flügel gelegt und wollte nicht abfallen. Steuern konnten wir noch problemlos und so flog ich zum Abbauraum und kreiste Flach mit gleichbleibender Geschwindigkeit. Kurz vor dem Downwind übernahm Werner die Kontrolle, überflog wegen dem Seil mit viel Höhe die Bäume und die Strasse und Landete sicher und sanft auf der Piste 28 Gras. Da zuerst das Seil wieder repariert werden musste, war Schluss für Heute.

Prüfungstag
Es war genauso wie es der Wetterbericht vorausgesagt hatte. Am Morgen dichtere Bewölkung, die sich aber bis Mittag auflockern und am Nachmittag immer mehr der Sonne Platzmachen sollte.
Da der Prüfungstermin erst um 14:00 Uhr angesagt war, hatte ich genügend Zeit mir das Meteo, DABS und das NOTAM anzuschauen und die sonst noch benötigten Unterlagen auf Vollständigkeit zu prüfen.
So ausgerüstet machte ich mich auf zum Flughafen, schaute dort nochmals das Flughandbuch der Orion an und blickte mit etwas gemischten Gefühlen auf die bevorstehende Prüfung.
Nun kamen Guido Halter, auch einer unserer Fluglehrer und Peter Weiss einer unserer Schlepppiloten. Beide haben sich extra unter der Woche die Zeit genommen, um mir die Prüfung überhaupt zu ermöglichen. Wir meldeten beim Tower den Start unseres Flugbetriebes und stellten die Orion auf der Piste bereit.
Schon ging es gegen 14:00 Uhr wir durften den Experten willkommen heissen. Anschliessend wurden alle benötigten Unterlagen auf Vollständigkeit kontrolliert und die Prüfung konnte beginnen.
Es folgten einige Theoretische Fragen über METEO, DABS, Ober- Untergrenzen verschiedener Lufträume, Segelflugzonen, Flughandbuch vom Orion, Geschwindigkeitsbereiche, Notverfahren, Ausleiten von gefährlichen Flugzuständen und noch einiges mehr.
Anschliessend kam der Prüfungsflug, der vorher besprochen wurde. Ich solle alles so wie immer machen und immer laut sagen was ich mache. Auch musste ich mir den Übungsablauf nicht merken, da er mir immer alles vorher sagen werde.
Durchgehen der Checkliste, Departure Briefing, Start und schon bald folgte eine 8 im Schlepp und die Wiederherstellung der korrekten aus einer aussergewöhnlichen Schleppfluglage. Klinken, Fahrwerk einfahren, Austrimmen, Höhe und Position melden. Anschliessend folgten diverse Kreise mit Ausleiten auf Geländepunkte oder auf Kompasskurse, Strömungsabrisse provozieren und korrekt korrigieren usw.
Die Zeit verging wie im Fluge und die Flugstunden machten sich bezahlt. Aus meiner Sicht klappte alles auf Anhieb und blieb im Toleranzbereich. Auch war ich ruhiger und entspannter als gedacht.
Schon waren wir auf 950m MSL und wie vorher abgemacht wollte ich auf die Tower-Frequenz wechseln um zu hören was so läuft. Nur der Funk war während des Fluges vom Experten verstellt worden. Nach einer Schrecksekunde habe ich dann halt die korrekte Frequenz manuell eingestellt und mich beim Tower für den Einflug in die CTR angemeldet. Nach der Freigabe das Approach Briefing abgearbeitet und auf gut 600m MSL dem Tower den Downwind für die Piste 28 Gras gemeldet. Nach der Landefreigabe weiter in die Base und den Final natürlich immer mit guter Luftraumüberwachung, ausreichend Höhe über Grund und korrekter Geschwindigkeit. Schon kam die Landung im markiertem Bereich und wichtig -> weiterfliegen bis der Flieger steht.  
Haube auf, eine kurze Fluganalyse von mir und ein Debriefing vom Experten und die Bestätigung für die bestandene Prüfung.
So cool, ich bin Flügge geworden!!

Und weiter geht’s…
Das Lernen hört nie auf, schon am Wochenende darauf habe ich die Umschulung auf die DG-300 abgeschlossen. Ich kam ganz schön ins Schwitzen aber nicht wegen dem Fliegen sondern wegen der Demontage / Montage des Flugzeuges, was auch zur Umschulung gehört und körperlich etwas anstrengender als Fliegen ist. Mit tatkräftiger Unterstützung durch die anwesenden Flugschüler und Tipps vom Fluglehrer war auch dieser Teil bald abgeschlossen.
Das Fliegen selber war einfach genial. Viel bessere Wendigkeit, Flugleistung und eine ganz andere Sitzposition, naja mehr liegen als Sitzen als im Astir CS.
Beim zweiten Flug fand ich sogar eine schwache Thermik, die mich beim St. Anton auf 1600m MSL hochtrug, direkt unter die leider sehr tiefe Basis.
 

..und zum Schluss
Ich möchte allen von Herzen danken, die mir ermöglicht haben ein so phantastisches Hobby zu erlernen. Sei es unsere engagierten und mit grosser Geduld gesegneten Fluglehrer, unseren Schlepppiloten, die auch immer mal für ausserplanmässige Einsätze zu haben sind und die vielen andern Piloten und Schüler, die einander mit Rat und Tat helfen und ohne die ein Flugbetrieb nicht möglich wäre.
Einen grossen Dank auch an unseren Vorstand welcher mit viel Arbeit und Einsatz unseren Verein weiterbringt und die eine oder andere Unebenheit auf der «Piste» aus dem Wege schafft.

10. November 2020, Marcel Spirig